Heute wollte ich mal einen Badetag einlegen. Nach drei Tagen Sightseeing fand ich das gerade richtig und das Baden im warmen klaren Wasser in Comino hat mich gierig auf mehr Meer gemacht. Als ich morgens aus dem Fenster sah, war ich enttäuscht, denn der Himmel war ziemlich grau. Ich überlegte erst, ob ich mein Vorhaben verschieben sollte, aber dann verwarf ich den Gedanken und ging nach dem spärlich kontinentalem Frühstück zur Haltestelle Sliema Ferry. Dort nahm ich wieder eine Querverbindung, die Linie 652, die zur Golden Bay fährt. Der Bus, in den ich diesmal stieg, war so ganz anders als die anderen. Der Fahrer wirkte relativ jung und hatte den vorderen Teil seines Busses mit britischen und amerikanischen Flaggen sowie englischen Fanschals ausstaffiert. Durch den ganzen Bus schallte 80er Jahre-Musik. Die war genau mein Geschmack. Und so ging die etwa 50-minütige Fahrt los. Nach und nach füllte sich der Bus. Ab Bugibba war er rappelvoll. Die Golden Bay ist eine der wenigen Buchten mit Sandstrand auf Malta und sehr populär. Ich wollte eine Station vorher aussteigen, um zur Ghajn Tuffieha zu gelangen, eine Bucht neben der Golden Bay und viel weniger bekannt. Hätte ich vor meinem Urlaub mit Malta-online.de und den dort zu findenden freundlichen Menschen keine virtuelle Bekanntschaft gemacht, so wäre diese Bucht keines meiner Ziele gewesen. Mit zwei anderen Leuten bin ich aus dem Bus ausgestiegen. Nach ein paar Schritten an einem verfallenen Haus vorbei kam ich zu einer Treppe mit mindestens 200 Stufen, jedenfalls kam es mir so vor. Der Blick von der Treppe auf die Bucht – ein Traum. Schnell lief ich euphorisch die Treppe herunter und stellte fest, dass außer mir ganze vier Menschen in der Bucht waren! Ich ließ mich erst mal häuslich nieder und genoss es einfach nur, im Sand zu sitzen und den Blick auf die Bucht zu genießen. Die Ghajn Tuffieha ist touristisch nicht so erschlossen, es gibt dort nur eine kleine Getränkebude. Toiletten sind leider nicht zu finden. Am Strand standen übrigens auch Mülltonnen, die Mülltrennung suggerierten, was ich für Malta nicht ganz glauben konnte.
Ein Blick in den Himmel verringerte dann meine Freude und schon musste ich mich wegen eines kleinen Schauers an der Getränkebude unterstellen. Nachdem der Schauer vorbei war, klärte der Himmel auf und so blieb ich noch am Strand. Schließlich wollte ich noch ein ausgiebiges Bad nehmen. Meine Erkältung war ja schon etwas abgeklungen. Aber nein, kurze Zeit später regnete es schon wieder, also musste ich mit meinem Krempel wieder zur Bude umziehen. Und diesmal schüttete es richtig heftig. Plötzlich kamen aus allen möglichen Richtungen Leute angelaufen, die wohl ihre Wanderung unterbrochen haben. Aber hier wollte ich nun nicht weggehen. Die Ausdauer hat sich dann doch noch gelohnt und da ich sowieso schon von allen Seiten samt meiner Sachen nass geworden war, bin ich nach dem Schauer endlich schwimmen gewesen. Das war dann schließlich die Entschädigung für den Regen.
Kurze Zeit später habe ich beschlossen, zur Fuß zur Golden Bay herüberzulaufen, allzu weit konnte sie nicht sein. Also bin ich die 200 Stufen wieder raufgelaufen und kam ziemlich außer Atem oben an. Von dort kann man oberhalb der Felsen zur Golden Bay laufen. Als ich dort ankam, war strahlender Sonnenschein. Tja, schlechtes Timing. Diese Bucht, die meinem Geschmack weniger entspricht, war viel besser besucht. Dort gab es ein paar Imbissbuden, einen Wassersportverleih und quer über die Bucht schallte Discomusik. Oberhalb befindet sich ein Hotel, das architektonisch nicht besonders reizvoll wirkt (Anmerkung: seit 2005 ist dort ein neues 6 Sterne Hotel entstanden). Da die Sonne nun schien und meine Sachen noch feucht waren, habe ich mich für eine Stunde auch noch dort niedergelassen, bevor ich noch eine lustige Rückfahrt im Bus erlebt habe. An der Bushaltestelle musste ich eine Weile auf den Bus warten. Machte nichts, die pralle Sonne habe ich genossen. Während der Wartezeit kam ich mit zwei Frauen ins Gespräch, die auf der Suche nach einem Sandstrand waren. Sie erzählten, wie enttäuscht sie über ihren Urlaubsort waren und dass es dort keinen richtigen Strand gäbe, aber schließlich wisse man ja nie, wohin man käme. Ich dachte bei mir, wozu es wohl Reiseführer und Kataloge gibt.
Als der Bus kam, stellte ich fest, dass dieser für maltesische Verhältnisse relativ neu wirkte. Er hatte keine Schnur zum Ziehen, sondern eingebaute Klingelknöpfe. Hochmodern. Nachdem die Fahrt los ging, hörte ich ein permanentes Piepsgeräusch, das immer lauter wurde. Ein anwesender Fahrkartenkontrolleur begann, an den Knöpfen herumzufummeln, zuckte dem Busfahrer gegenüber mit den Schultern und stieg an der nächsten Haltestelle aus. Da ich hinten im Bus saß, konnte ich das Geschehen recht gut überblicken. Irgendwie musste ich an Loriot denken, als der Fahrer mitten auf der Strecke anhielt und sich wiederum unter maltesischen Aussprüchen an sämtlichen Klingelknöpfen zu schaffen machte. Mal piepte es lauter, mal leiser, mal war der Piepston höher, mal tiefer. Alle Fahrgäste drehten sich um und verfolgten mit weit geöffnetem Mund, was da vor sich ging. Endlich, das Piepsen hörte auf und durch den Bus zog sich ein erleichtertes Raunen. Ahhh! Der Busfahrer war glücklich, und als er weiterfahren wollte, ging diese nervige Gepiepse wieder von vorne los. Nun hörte man ein enttäuschtes Raunen. Ohhhh! Das wiederholte sich dann noch ein paar Mal. Ein Mann, der in meiner Nähe saß und ich haben Tränen gelacht. Bis Sliema piepste es. Also doch lieber die gute alte Klingelschnur. Diese neumodische Technik, die höchstens 20 Jahre alt war, taugte nichts.
Es war schon später Nachmittag, als ich wieder im Hotel war, und so habe ich die Zeit genutzt, um meine Ansichtskarten in die Heimat zu schreiben. Am Abend hatten wir wieder unser Vier-Frauen-Treffen, bei dem es viel zu erzählen und zu lachen gab.
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