3. Tag: Gozo

17. Juli 2010

Was ich an diesem Tag machen würde, wusste ich schon vor der Abreise aus Deutschland: eine Jeeptour nach Gozo zusammen mit Kollegin und ihrem Mann. Eigentlich wollte ich wegen des kurzen Aufenthaltes gar nicht nach Gozo, aber im Malta-Chat mit sehr sympathischen Menschen traf ich auf einen gewissen Rafael. Und schon war die Tour eingeplant. Um es vorweg zu sagen, Gozo auf diese Art kennen zu lernen, halte ich für ideal. Öffentliche Busse fahren dort selten und die organisierten Ausflüge für die breite Masse, bei denen man Damen mit bunten Regenschirmen hinterher laufen muss…….. naja, nicht mein Geschmack. Und so holte uns John, ein Malteser von unseren Hotels ab und fuhr uns quer über Gozo. Mit uns im Jeep saßen noch zwei nette holländische Damen, die über den Tod von Prinz Claus noch etwas traurig waren. Nach der Fahrt mit einer großen Fähre, die in Mgarr anlegt, fuhren wir erst einmal zu einem Aussichtspunkt, wo uns John einiges über die Insel erzählte, unter anderem dass viele ältere Menschen auf der Insel leben, die dort ihren Ruhesitz haben.

Die Insel unterscheidet sich erheblich von Malta, sie ist wesentlich ruhiger, grüner und wirkt sauberer. Wer einmal Urlaub machen möchte, in dem er einfach nur abschalten und entspannen will, ist hier richtig. Anschließend ging es wieder zum Hafen, wo wir in ein kleines Speedboot stiegen. Nachdem dieses von einer auf mich witzig wirkenden “mobilen Tankstelle” (befestigter Riesenkanister auf einem Auto) betankt wurde, konnte es losgehen. Der Bootsfahrer hat echt Gummi gegeben, du meine Güte, ich dachte, gleich gehen wir über Bord. Die Fahrt führte uns einmal um Comino herum, die dritte bewohnte maltesische Insel, auf der es nur ein Hotel und 4 bis 5 Einwohner und zwei Polizisten gibt. Nachdem wir in eine Grotte mit leuchtend blauen Wasser fuhren, ging es weiter zur blauen Lagune. Dort konnten wir schwimmen gehen. Ich habe es genossen, im herrlich warmen türkisfarbenen Wasser und war fast traurig, als es mit dem Boot wieder nach Gozo ging, denn ich hätte es bestimmt noch länger dort ausgehalten. Als wir zurückfuhren, kamen allerdings gerade etliche Ausflugschiffe, dass ich dachte, gut dass wir schon so früh da waren. Im Sommer muss hier die Hölle los sein.

Weiter ging es mit dem Jeep über Marsalforn an der Nordküste zu den Salt Pans. Hier kann man sehen, wie Salz gewonnen wird. Die Gesteinsmassen dort haben mich mit ihren Ausformungen sehr beeindruckt, genau wie auch die Fahrt auf die Felsen. Jetzt wusste ich, warum es ein Jeep sein musste. Die nächste Station war Ta’ Pinu, eine Wallfahrtskirche. In der Kirche gab es einen Raum, in dem Zeugnisse der Gläubigkeit der Malteser zu sehen waren. Viele Malteser, die die Kirche besucht haben, schreiben Briefe dorthin, in denen sie für verschiedene Dinge danken. Leider waren nur sehr wenige in englisch geschrieben. Einer davon stammte beispielsweise von einer Malteserin, deren Mann zur Zeit des 11. September im World Trade Center arbeitete. Zuvor war er mit ihr in dieser Kirche, wo sie eine kleine Madonnenfigur weihen ließen. Der Mann nahm diese Figur nach New York mit und überlebte. Gegenüber der Kirche befindet sich ein Wallfahrtsweg, der in regelmäßigen Abständen von Statuen gesäumt ist. Übrigens befinden sich angeblich auf Gozo bei 27.000 Einwohnern 92 Kirchen.

Anschließend führte uns unsere Fahrt zum berühmten Azure Window, von wo aus wir auch den Fungus Rock sahen. Auf diesem Felsen im Meer wächst ein besonderer heilender Pilz, der früher nur von den Rittern geerntet werden durfte. Allmählich kam dann doch der Hunger auf und so war es gut, dass wir in Xlendi Mittag essen konnten. Weiter ging es in die Hauptstadt Viktoria zur Kathedrale. Diese steht mit ihrer Anlage auf einer Anhöhe, so dass wir den herrlichen Blick über die Insel genießen konnten. Schließlich fuhren wir noch zur Ramla Bay, einer Bucht mit Sandstrand, was ja auf den maltesischen Inseln nicht so häufig zu finden ist. Da es schon spät wurde, mussten wir leider von Gozo Abschied nehmen und es ging zurück nach Mgarr, von dort mit der Fähre zurück nach Malta. Gegen 18.00 Uhr war ich wieder im Hotel. Es war ein gelungener Tag, wenn man mal von der Stunde absieht, die ich dann noch gebraucht habe, um den Staub wieder aus den Haaren zu bekommen. Ich sah aus wie Lumpenlieschen.

Nachdem ich mich einigermaßen restauriert hatte, traf ich mich noch mit den drei Reisebekanntschaften und wir berichteten alle von unseren Erlebnissen. Ich stellte fest, dass Gerhild für den nächsten Tag das Gleiche vorhatte und so verabredete ich mich mit ihr. Tanja erzählte uns dann von einem Pub in St.Julians. Dort könne man die Leute bei ihren Karaoke-Künsten beobachten. So sind wir noch zu Fuß an der Uferpromenade nach St. Julians gelaufen (ca. 30 min. Fußweg) und haben uns dort bei einem Bier köstlich amüsiert. Die Karaoke-Künstler waren anscheinend Engländer und Malteser, die mit großem Eifer gesungen haben. Man merkte ihnen an, dass sie nicht zum ersten Mal in der Kneipe waren. Es war ihnen auch egal, dass sie außer uns eigentlich gar kein Publikum hatten. Die Lieder, die sie gesungen haben, waren die letzten Schnulzen. Nachdem wir dann bei fortgeschrittener Stunde nach Sliema zurückgelaufen waren, bin ich wie eine Leiche ins Bett gefallen.

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